Taxinaut
| 4 min Lesezeit
Ich haderte lange damit Taxinaut zu kaufen. Einerseits hatte ich das Gefühl, es wäre genau meins, andererseits ist die Optik des Spiels durch die Blume gesagt, zurückhaltend zweckmäßig. Aber Grafik ist ja nun nicht alles, besagt eine Floskel, die definitiv einfacher zu schreiben, als in die Tat umzusetzen ist. Vielleicht war es auch die Tatsache, dass mich Taxinaut doch ein kleines bisschen an mein eigenes Weltraumspiel erinnert, das immer noch auf den einen Kniff wartet, der richtigen Spielspaß mit sich bringt, bevor ich es veröffentliche. Menno. Am Ende siegte aber wie immer das Bedürfnis alles haben zu wollen, was irgendwie mit Fetch Missionen im Weltraum zu tun hat. Shut up, flüsterte ich müde and they took my money.
In Taxinaut spiele ich einen Klon und friste mein bescheidenes Dasein, indem ich wie so ein Korben Dallas im fliegenden Taxi Kund*innen von A nach B befördere. Je nach Schwierigkeitsgrad, der vor jeder potentiellen Fahrt mit einer Zahl von Eins bis Neun angegeben wird, befindet sich B entweder auf dem selben Planeten oder irgendwo da draußen in den Weiten des Weltalls. Und letzteres ist nicht unbedingt einfach zu erreichen. Denn mein fliegendes Taxi kann nicht einfach in den Orbit abheben. Dazu benötige ich entweder Anschwung von einer lokalen Station oder ich tanke eine Ladung seltenes Anti-Graviton für den nötigen Wumms. Im Weltraum angekommen hören die Herausforderungen aber noch lange nicht auf. Stellare Ziele sind mit einem längeren Flug noch relativ einfach zu erreichen. Interstellare Routen kann ich aber nur selbst als Passagier eines Transporters zurücklegen. Zumindest bis ich einen eigenen Warpantrieb habe, was zu Beginn des Spiels nicht der Fall ist.
Und selbst wenn sich das Ziel in unmittelbarer Nähe befindet, muss ich zumindest mal daran vorbei geflogen sein oder davon gehört haben, um einen Weg dorthin vom Naviagtionscomputer angezeigt zu bekommen. Und genau das ist die primäre Spielmechanik von Taxinaut. Ich kann an Stationen, Bars, Krankenhäusern, Werkstätten und anderen Einrichtungen halten und immer auch mit den Ansprechpartner*innen über dies und das quatschen. Auf diese Weise bekomme ich zufällige Informationen zu Orten und Einrichtungen, die mir dann wiederum im eigentlichen Spielverlauf helfen, um zum Beispiel zu wissen, wo sich das gewünschte Ziel eines Kunden überhaupt befindet. Aber nichts ist in Taxinaut umsonst. Nicht einmal der Tod. Daher kostet jede Information Geld, beziehungsweise Vudu. So heißt die Währung im Taxinaut-Universum.
Und so habe ich meine ersten Stunden im Spiel damit verbracht, über den Startplaneten zu irren, in bester Noir-Manier in heruntergekommenen Bars nach dem Weg zu fragen und shady Fahrgäst*innen von einer Ecke des Planeten in die andere geflogen. Erst relativ spät ist mir aufgefallen, dass ich auch Scans kaufen kann, die mir interessante Punkte in der Umgebung auf der Karte sichtbar machen. Apropos Upgrades und Gegenstände. Am rechten Bildschirmrand finden allerlei Informationen zum aktuellen Planeten, den Spieler*innen und Gäst*innen Platz. Ebenfalls dort werden Extras, Wegmarken und Gegenstände aufgeführt, die ihr zum Beispiel eingekauft habt. Diese werden, sofern sie zu konsumieren sind, mit einem Klick auf die respektiven Bildchen aktiviert und sind danach aufgebraucht. Auch Schäden am Taxi oder eure gesundheitlichen Eigenschaften werden hier gesammelt und liefern beim Anklicken wertvolle Informationen, wie diese zu reparieren oder zu verbessern sind. So habe ich mein Inventar und mögliche Gefahren immer im Blick.
Alle zehn Tage ist die Miete fällig, was ein zusätzlicher Ansporn sein sollte, die Tage und Nächte damit zu verbringen Vudu zu verdienen. In meiner Wohnung und auch bei Nexusbanken ist es nach dem Andocken möglich, Vudu einzuzahlen. Das ist wichtig, denn sollte mein Klon sterben, verliere ich alles, was sich zu diesem Zeitpunkt in meinemTaschen befindet. Auch das Geld. Dank dieser Mechanik verliere ich nur in Ausnahmefällen sehr viel Kredite, sofern ich denn daran gedacht habt, diese Möglichkeiten zu nutzen.
Meine persönliche Reise hat mich derweil auf einen anderen Planeten geführt. Die Bezahlung für diesen Trip war mehr als großzügig. Die Tatsache, dass ich vorher nicht geschaut habe, ob und wie ich von diesem Planeten wieder wegkomme, wirkt im Nachhinein betrachtet leider eher becheiden. Ich werde wohl nicht umhin kommen, meinen Clon recyceln zu müssen und der Belohnung zum Abschied noch einmal freundlich hinterher zu winken. Ich habe keine Ahnung, ob das klappt oder ob ich wieder auf dem einsamen Planeten starte. Ich bin aber sehr gespannt.
Das Leben als Taxinaut*in ist hart. Ich werde weiter berichten.